Sammlungspräsentation

Museum Schnütgen

Das Museum Schnütgen beherbergt in einer der ältesten Kirchen Kölns eine kostbare Sammlung mittelalterlicher Kunstwerke. Viele von ihnen sind schon allein eine Reise wert, wie etwa die strahlende Parlerbüste, der ausdrucksstarke Kruzifix von St. Georg oder der einzigartige sogenannte Heribertkamm, eine filigrane Elfenbeinschnitzerei.

Mo geschlossen

Di bis So 10-18 Uhr
Do 10-20 Uhr

KölnTag 10-22 Uhr
Jeden ersten Donnerstag
im Monat

  • Einzelticket Sammlung: 6 €, ermäßigt: 3,50€
  • Kombiticket Museum Schnütgen und Rautenstrauch-Joest-Museum: 10 €, ermäßigt: 7 €
  • Gruppenticket (ab 10 Personen): 3,50 € pro Person
  • Ermäßigter Eintritt: für Studierende, Freiwilligendienstleistende und Menschen mit einer Schwerbehinderung ab einem Grad der Behinderung (GdB) von 50%
  • Freier Eintritt: für Kinder unter 6 Jahren in Begleitung eines*einer Erwachsenen, Schüler*innen, Auszubildende, Kölner*innen unter 18 Jahren, Inhaber*innen des Köln-Passes und der ICOM-Card sowie für Mitglieder des Freundeskreises Museum Schnütgen.

Führungen: Informationen zu unseren Führungen und individuell buchbaren Angeboten finden Sie im Bereich „Angebote“. Wenn nicht anders ausgewiesen, sind die Führungen im Preis enthalten.


Alle Fremdgruppen werden gebeten, sich per E-Mail an service.museumsdienst@stadt-koeln.de anzumelden.

Für weitere Fragen stehen Ihnen die Mitarbeiter*innen des Museumsdienstes unter Tel +49 (0) 221 221-27380 oder über service.museumsdienst@stadt-koeln.de zur Verfügung.

In der von Grund auf erneuerten Sammlungspräsentation werden seit 2024 unterschiedliche Perspektiven auf die Kunst direkt in der Sammlung erlebbar: 15 Kapitel von A, wie „Alexander Schnütgen“ bis S, wie „Skulptur im Spätmittelalter“ beleuchten den jeweiligen Kontext der Kunst mit Bezug auf vergangene Epochen, Ikonographie, Material oder Technik.
So empfängt der umgestaltete Eingangsbereich im Neubau von 2010 das Publikum quasi im Kölner Wohnzimmer von Sammlungsgründer Alexander Schnütgen um 1910. „Kunstwerke für den Gottesdienst“ werden zum Beispiel im 1950er-Jahre-Bau präsentiert und die Cäcilienkirche als Hauptausstellungsraum wartet mit Themen wie „Memento Mori“ und „Kunst für Stadt und Kirche“ auf.
Alle Kunstwerke werden in kurzen Texten erläutert und können im Kontext 
des jeweiligen Themenbereichs entdeckt werden. Zu rund 100 ausgewählten 
Objekten bietet ein Audioguide auf Deutsch und Englisch via QR-Code zusätzliche Informationen. Zudem hält diese mobile Anwendung Lesetexte auf Ukrainisch, Türkisch und in Leichter Sprache bereit.
Inspiration liefern darüber hinaus Begleithefte für Einsteigerinnen und Einsteiger, 
Materialbegeisterte, Detailverliebte und kreative Köpfe. Kinder können mit 
einem Kritzelheft und Stiften selbst aktiv werden und ihr eigenes Mittelalter gestalten. 
Im Videoraum werden außerdem zehn Objekte visuell zum Leben erweckt – 
sie sprechen wortwörtlich zu uns.

Das Spektrum der Ausstellung reicht von Holz- und Steinskulpturen über kostbare Goldschmiedekunst und Glasmalerei bis hin zu seltenen Elfenbeinen und Textilien.
Eine Besonderheit ist die Stille und Aura der romanischen Cäcilienkirche: Die Nähe zu den Objekten lädt dazu ein, die Kunstwerke in ihrer spirituellen Ausstrahlung und Schönheit zu erleben.
Museumsgäste können außerdem den Cäciliengarten besuchen. Umschlossen von Buchenhecken bietet er einen Ort der Erholung mitten im trubeligen Köln, unweit des belebten Neumarkts.

Für zu Hause bietet der Auswahlkatalog „Museum Schnütgen – Handbuch zur Sammlung einen repräsentativen Eindruck von der Bandbreite und Qualität der Sammlung des Museum Schnütgen. Das 2018 im Hirmer Verlag erschienene Handbuch ist als deutsche und englische Ausgabe im Museumsshop und im Buchhandel erhältlich.

Handbuch zur Sammlung

Fünf herausragende Werke


Konsolbüste mit dem Parlerwappen, Köln, um 1390

Die Büste einer jungen Frau diente als Wandkonsole. Vermutlich trug sie eine Statue Marias. Das Laub ihrer Blätterkrone kann als Beifuß gedeutet werden, eine Pflanze, die mit der Muttergottes in Verbindung gebracht wurde. Wenn man davon ausgeht, dass auf der Konsole eine Marienfigur aufgestellt war, könnte die Büste als Darstellung Evas gedeutet werden, denn Maria wurde als „neue Eva“ verstanden. Das Werk wurde aus einem einzigen Steinblock gearbeitet, mitsamt der hohen Blätterkrone. Die junge Frau trägt auf der Brust das Wappen der Familie Parler – eine Familie von berühmten Bildhauern und Architekten, die unter anderem am Kölner Dom arbeiteten. Das Wappen weist darauf hin, dass ihr Schöpfer und Stifter ein Mitglied der Familie Parler war. Ob die Büste im Kölner Dom oder in einer anderen Kölner Kirche Verwendung finden sollte, ist nicht mehr bekannt.

Sog. Kamm des hl. Heribert, Metz, um 870

Dieser Kamm war kein Alltagsgegenstand, was an der kostbaren Schnitzerei zu erkennen ist. Derartige Kämme verwendete man bei der Salbung eines Königs oder bei der Bischofsweihe. Priester benutzten einen Kamm, um ihr Haar zu ordnen, nachdem sie die Gewänder für die Messe anlegt hatten. Neben diesem praktischen Nutzen hatte der Kamm eine symbolische Funktion. Das Ordnen der Haare diente als Zeichen der Reinigung und Ordnung der Gedanken. Dieser Kamm ist eine filigrane Schnitzarbeit aus Elfenbein. Im Mittelpunkt befindet sich Jesus am Kreuz. Zu beiden Seiten knien römische Soldaten: Stephaton mit dem Essigschwamm und Longinus mit dem Speer. Maria und Johannes stehen links und rechts vom Geschehen.
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Name „Kamm des heiligen Heribert“ eingebürgert. Dieser bedeutende Kölner Erzbischof, der um die Wende vom ersten zum zweiten Jahrtausend amtierte, wurde nach seinem Tod heiliggesprochen. Ob der Kamm aber tatsächlich ihm gehörte, ist nicht mit Sicherheit zu beantworten.

Alabasterreliefs mit der Verkündigung an Maria, Frankreich oder Burgundische Niederlande, um 1410-1420

Die beiden Reliefs stammen aus dem 15. Jahrhundert, der Blütezeit der Alabasterskulptur. Alabaster ist weicher als Marmor oder Kalkstein und lässt sich besonders fein bearbeiten. Im frühen 15. Jahrhundert war das Material bei fürstlichen und kirchlichen Auftraggebern sehr beliebt. Es wurde etwa zur Ausschmückung von Grabmälern und Altären verwendet. Die beiden Reliefs gehören zu den kostbarsten Zeugnissen ihrer Zeit. In ihrer Darstellung bilden sie eine Einheit. Zu sehen ist die Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria. Beide Figuren sind von einer gotischen Rahmenform umgeben, einem sogenannten Vierpass. Innerhalb dieser Rahmung sind die Bildfelder geprägt von dem luftig bewegten Spiel der Gewänder und Spruchbänder. Die Körper der Figuren sind unter den Gewändern kaum zu erkennen. Besonders Maria wirkt wie eine schwerelose Himmelserscheinung. Sicher ist, dass beide Reliefs auf einem Untergrund angebracht waren. Aus welchem Zusammenhang sie stammen und ob sie noch mit weiteren Darstellungen verbunden waren, ist nicht mehr bekannt. In jedem Fall gehörten die Reliefs zu einem kostbaren Ausstattungsstück im Innenraum einer Kirche, zum Beispiel einem Altarretabel.

Schwert aus St. Georg in Köln, Köln, 1. Hälfte 14. Jahrhundert; Klinge: Italien, 14. Jahrhundert (?)

Das Schwert des hl. Georg zählt zu den kostbarsten Reliquien der Stiftskirche St. Georg in Köln. Der Legende nach tötete der heilige Georg mit diesem Schwert einen Drachen. Das elegante Schwert trägt ungewöhnlich kostbare Verzierungen: Knauf und Scheide sind mit Silberemails geschmückt. Die Besonderheit dieser Emails besteht darin, dass das Silber als Trägermaterial durchschimmert. Dadurch erhält die Darstellung ihren so besonders leichten und zarten Ausdruck. Als Motiv findet sich auf beiden Seiten des Knaufes ein bunter Schmetterling vor blauem Grund; die Farben der Flügel sind leider verloren. Der Schmetterling wurde als Symbol der Auferstehung verstanden. Gekämpft wurde mit diesem Prunkschwert sicherlich nie, dafür ist seine Gestaltung viel zu kostbar. Es diente vielmehr als Reliquie und vielleicht auch als Symbol für die richterliche Gewalt. Die Pröpste von St. Georg besaßen nämlich das Recht, eigene Gerichtsverhandlungen zu führen und Urteile zu fällen.

Kruzifixus aus St. Georg in Köln, Köln, letztes Drittel 11. Jahrhundert

Die Skulptur des Gekreuzigten zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Bildwerken Kölns. Sie stammt aus der ehemaligen Stiftskirche St. Georg. Vermutlich handelte es sich um eine Stiftung des Erzbischofs Anno. Er gründete die Kirche im Jahre 1064. Aus dieser Zeit stammt auch die Figur des Gekreuzigten. Obwohl die Füße und Arme verloren sind, ist die hohe Qualität der Skulptur noch erkennbar. Eine sanfte Bewegung prägt die gesamte Figur. Die harten Falten des Lendentuches stehen im Kontrast zur weichen Form des Oberkörpers. Das Lendentuch war einst leuchtend bunt: lapislazuli-blau mit gelb-roter Saumkante. Der Gekreuzigte neigt sein Haupt nach unten, seine Gesichtszüge sind besonders ausdrucksstark. Ohne Zweifel war die Figur dafür gearbeitet, um an erhöhter Position aufgestellt und von unten betrachtet zu werden. Ob der Gekreuzigte auf einer Säule oder auf einem erhöhten Balken im Kirchenraum errichtet war, muss offenbleiben.

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360°-Rundgang

Das Museum Schnütgen ist auch für virtuelle Besucher*innen geöffnet! Mit Hilfe eines 360-Grad-Rundgangs kann man sich mit allen mobilen Endgeräten – darunter Smartphone, Tablet oder PC – auf einen Rundgang durch die ständige Sammlung begeben. Die audiovisuelle Begrüßung macht ein sprechender Portallöwe im Museumsfoyer.

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